
Bezirksamt verfügt: Kein Roller Derby in Sporthallen!

Am Freitag, den 29.5.2009, traf in der Geschäftsstelle ein Brief des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg - Sportförderung - ein. In diesem wurde der Verein darauf hingewiesen, dass er keine Genehmigung zur Ausübung von Rollsport erhalten habe und die Ausübung dieser Sportart einzustellen sei; Hallenzeiten-Anträge für 2009/ 10 würden insoweit nicht berücksichtigt werden.
Die Sportförderung berief sich bei ihrer Verfügung auf eine "Einschätzung" der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, wonach die Hallen nicht tauglich für Rollsportarten seien. Der Hinweis des Vereins auf Gutachten des Bundesinstituts für Sportwissenschaft und auf eine Empfehlung der "Arbeitsgruppe Sportstätten" in der Sportministerkonferenz verfing nicht. Die Aussage hierin ist: flächenelastische Sportböden gemäß DIN 18032-2 sind grundsätzlich ohne jeden weiteren Nachweis für den Rollsport geeignet. Es muss nur sichergestellt sein, dass keine Sprünge durchgeführt, ausschließlich Rollen für den Innenbereich verwendet und keine abfärbenden Rollen und Stopper benutzt werden.
Dies alles trifft für Roller Derby zu. Fraglich war nur, ob in den Hallen des Bezirks DIN-gerechte flächenelastische Sportböden eingebaut worden sind. Wären es punkt-, kombiniert- oder mischelastische Böden nach DIN, müsste die Eignung für Rollsport vom Hersteller des Bodens gesondert nachgewiesen werden.
Ohne konkrete Aussage hierzu und ohne weitere Prüfung und Nachfrage beim Hochbauamt wurde von der Sportförderung am Freitag, den 5.6.2009, das Verbot mündlich wiederholt. Unabhängig von der Frage der Hallenbodenkonstruktion wurde Roller Derby als im Bezirk unerwünscht und auf jeden Fall zu verhindernde Sportart diskreditiert.
Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport verwies auf Nachfrage des Vereins am 25.6.2009 auf "eine ausschließliche Bezirksangelegenheit, auf die (...) nach den geltenden Zuständigkeitsregelungen des Landes Berlin" kein Einfluss genommen werden könne.
Der Wunsch des Vereins, bis zur abschließenden Klärung der baulichen Fragen, wenigstens aber bis zum 18.7.2009 (Termin des "Roll Britannia" - ein großes Turnier in London im "Earls Court", an dem die Berlin Bombshells teilnahmen), das Training weiter durchführen zu dürfen, wurde vom Bezirksamt ausgeschlagen. Mit Schreiben vom 8.6.2009 erhielten wir - wiederum unter Berufung auf die Senatsverwaltung - die Bestätigung des Verbots.
Widerspruch gegen die Verfügung des Bezirksamts wurde fristgemäß eingelegt. Er wurde zurückgewiesen als unzulässig, da es sich bei dem Schreiben des Bezirksamts vom 8.6.2009 nicht um einen Verwaltungsakt handele; im Übrigen sei der Widerspruch auch unbegründet, da die Nutzung der bezirklichen Sporthallen für Rollsport nicht zulässig sei "aufgrund der Annahme der fehlenden Eignung". Zwischenzeitlich wurde Klage vor dem Verwaltungsgericht erhoben.
Um endlich die Beschaffenheit des Sporthallenbodens zu klären, beauftragte der Sport-Club Lurich auf eigene Kosten einen vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft benannten Sportbodensachverständigen mit der Prüfung des Hallenbodens. Das Gutachten des Dipl.-Phys. Härting vom Leipziger Institut für Sportbodentechnik liegt mittlerweile vor und sagt aus: Der Boden entspricht den Anforderungen der DIN 18032-2 und ist in einer Weise gebaut, die ohne jeden weiteren Nachweis für Rollsport geeignet ist; auch der oberflächenbelagsabhängige Rollwiderstand entspricht der Norm.
Am 2.12.2009 fand im Rathaus Kreuzberg eine Anhörung der Vereinsvertreterinnen mit Beteiligung der Sportstadträtin, des Abteilungsleiters der Sportförderung, des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der bezirklichen Sportvereine und von Bezirksverordneten im Sportausschuss/ Frauenausschuss der BVV statt. Dort berief sich das Bezirksamt gegenüber den Ausschussmitgliedern auf "den Senat", der allein für die "Freigabe" von Sporthallen für Rollsport zuständig sei.
Roller Derby hat sich in nur wenigen Monaten als erfolgreichste und attraktivste Sportart des Sport-Club Lurich erwiesen. Der Mitgliederzuwachs ist kaum zu bewältigen. Innerhalb kürzester Zeit mussten zwei Trainingsgruppen gebildet werden. Alle Trainierenden engagieren sich für ihren Sport, freuen sich an der Arbeit im Team und sind hell begeistert über ihre sportlichen und persönlichen Fortschritte.
Zwischenzeitlich wurde wegen dieser Dynamik die Gründung der Landesliga "Bear City Roller Derby" in Angriff genommen, die sich in die vereinigten europäischen Ligen eingliedern wird. Zur Vorbereitung dieser europaweiten Organisation hat am Nikolaus-Wochenende, den 4. bis 6. Dezember 2009, die EROC (European Rollerderby Organizational Conference) in Berlin stattgefunden.





